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Verbandsgründung
Am 2. April 1890 fand im Rathaus in Königsbronn die
"Konstituierungs-Verhandlung" über die Gründung der
Härtsfeld-Albuch-Wasserversorgung statt.
Anwesend waren die Vertreter der Königlich-Württembergischen
Regierung mit Regierungsdirektor von Rüdiger, Baurat
Euting, Baurat Ehmann als Staatstechniker für das öffentliche
Wasserversorgungswesen, die Oberamtmänner von Gmünd,
Aalen, Neresheim und Heidenheim, der ritterliche Abgeordnete
von Woellwarth und die Landtagsabgeordneten Bantleon
von Heidenheim, Klaus von Gmünd und Vogler von Neresheim,
sowie die Gründungsgemeinden vertreten durch ihre Schultheißen,
Anwälte, Gemeinderäte, Ratschreiber oder Bürgerausschussmitglieder.
Insgesamt nahmen an der Gründungsversammlung 56 Personen
teil. Die Verhandlung fand unter dem Vorsitz des Regierungsdirektors
von Rüdiger vom Königlichen Ministerium des Innern statt.
Die Protokollniederschrift über die Verhandlung umfasste
16 Punkte, die auch heute noch die Grundlage für den
Wasserversorgungsverband sind. Zusammengefasst beinhalten
die sechzehn Punkte der Konstituierungs -Niederschrift
folgendes:
| 1. |
Dem Unternehmen wird der Plan zugrundegelegt,
der vom Königlichen Bauamt für öffentliche Wasserversorgungswesen
ausgearbeitet worden ist. |
| 2. |
Die anfallenden Kosten werden von sämtlichen an
der Härtsfeld- Albuch- Wasserversorgung beteiligten
Gemeinden im Verhältnis der angeführten Bevölkerungszahlen
aufgebracht. Allerdings gilt die Einschränkung,
dass bei den Gemeinden Königsbronn und Itzelberg
nur 55 % der Gesamtbevölkerung die mit Wasser zu
versorgen sind, in Rechnung gestellt werden dürfen. |
| 3. |
Servituten für die Wasserversorgungseinrichtungen
in allen Gemeinden werden zugunsten der Pumpstation
bestellt. |
| 4. |
Für die notwendigen Grunderwerbe haben die Verbandsgemeinden
zu sorgen. Gemeindeeigentum ist unentgeltlich abzutreten. |
| 5. |
Die Unterhaltungs- und Betriebskosten werden im
10- Jahres- Rhythmus auf die Verbandsgemeinden verteilt. |
| 6. |
Es wird ein Neubau Fonds gegründet. |
| 7. |
Die Verbandsumlage kann bei den Gemeinden nach
Bedarf abgerufen werden. |
| 8. |
Die Pläne und Bauleistungen müssen vom Verbandsausschuss
genehmigt werden. |
| 9. |
Es wird ein Verwaltungsausschuss bestellt. Dieser
nimmt die Verwaltungsaufgaben des Verbands wahr
und wählt aus seiner Mitte den Verbandsvorsteher
auf die Dauer von je 6 Jahren. |
| 10. |
Die Aufsicht über den Zweckverband wird dem Oberamt
Heidenheim übertragen. |
| 11. |
Das Wasserversorgungswerk wird jährlich zweimal
durch den Staatstechniker für das öffentliche Wasserversorgungswesen
geprüft. |
| 12. |
Hauswasserleitungen dürfen nur mit Genehmigung
der Gruppe errichtet werden. |
| 13. |
Der Zutritt der Staatsdomäne Kapfenburg mit Schloss
bleibt der Genehmigung der Königlichen Staatsregierung
vorbehalten. |
| 14. |
Der Stadt Neresheim, der Gemeinde Auernheim und
den Teilgemeinden Dossingen, Hohenlohe und Oberriffingen
wird der Beitritt unter den obigen Bedingungen für
die Dauer von drei Jahren, vom heutigen Tag an gerechnet
offen gehalten. |
| 15. |
Gegenwärtiges Protokoll wird der Königlichen Regierung
des Jagstkreises zur Genehmigung vorgelegt. |
| 16. |
(Im genauen Wortlaut) "Die beteiligten Gruppengemeinden
bitten, dass die hohe Staatsregierung an seine Majestät
den König die Gewährung von möglichst hohen Staatsbeiträgen
herantragen möge. Worauf der Vertreter der Königlichen
Regierung, Herr Regierungsdirektor von Rüdinger,
erklärt, sicher zusagen zu können, dass 30 % Staatsbeiträge
gewährt werden. Sämtliche Beschlüsse wurden einstimmig
gefasst. Nach Abschluss der Verhandlungen gedachte
der Vorsitzende der Landesväterlichen Fürsorge seiner
Majestät des Königs, in dem er auf seine Majestät
ein dreifaches "Hoch" beantragte, in welches die
Versammlung begeistert einstimmte." |
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Inbetriebnahme
Das Tempo, mit welchem nach der Gründung des Zweckverbands
die Verbandsanlagen gebaut wurden, ist bewundernswert.
Bereits am 11.11.1891, also 18 Monate nach der Gründungsversammlung,
wurden die Einrichtungen in Betrieb genommen. Baurat
Ehmann, nach dessen Plänen die Härtsfeld-Albuch-Wasserversorgung
gebaut wurde, muss ein geradezu genialer Ingenieur gewesen
sein, sonst hätte mit den damaligen technischen Möglichkeiten
das Werk nicht in so kurzer Zeit vollendet werden können.
Die Gesamtkosten betrugen 1.114.600 Mark und wurden
im Verhältnis der Einwohnerzahlen auf die Gründungsmitglieder
verteilt. Das Wasser wurde dem Itzelberger See entnommen
und über einen Sandkasten gereinigt. Es wurden Druckleitungen
auf das Härtsfeld und den Albuch verlegt sowie ein Maschinenhaus
in Itzelberg und Zuleitungen und Verteilungsleitungen
zu den einzelnen Gemeinden mit 16 Wasserreservoirs erstellt.
In der ersten Baustufe wurde ein Rohrnetz von 120 Kilometern
verlegt.
Die Inbetriebnahme der Wasserversorgung ist im Amts-
und Intelligenzblatt für den Oberamtsbezirk Heidenheim
"Der Grenzbote" vom 16.11.1891 sehr plastisch beschrieben,
ebenso die ein halbes Jahr spätere stattgefundene formelle
Einweihung durch den Württembergischen König.
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Einweihung im Jahr 1892
Über die Einweihung berichtete die "Härtsfeldrundschau"
folgendes: "Am 1. Juli 1892 fand die feierliche Einweihung
durch seine Majestät dem König statt. Zuerst war Besichtigung
der Pumpstation in Itzelberg und nach einem Besuch des
Hüttenwerkes Königsbronn wurde die weite Reise über
das Härtsfeld angetreten.
Nach Passierung der Orte Rothensohl, Großkuchen und
Ebnat war der Ziel- und Haltepunkt das Hochreservoir
des Härtsfeldes. Von den zwei mächtigen Wasserkammern
war eine leer gelassen und als seine Majestät empfangen
von den hier aufgestellten Vertretern der Gemeinde Waldhausen
in das Wasserhäuschen eintrat, ertönt mit wundersam
ergreifender Wirkung aus der Tiefe der Wasserstube ein
Lied des Ebnater Kirchenchors.
Seine Majestät stiegen selbst in die Wasserkammern hinab
und drückten den Sängern und Sängerinnen seinen huldreichen
Dank aus und ließen sich ein Glas des köstlichen Itzelberger
Wassers aus dem Hauptreservoir auf der höchsten Höhe
des Härtsfeldes reichen.
Man hatte mehrfach Gelegenheit zu hören, wie seine Majestät
offen die Freude über diese Besichtigung und über den
weit in die Runde reichenden Ausblick über die grünenden
Weiden, die waldigen Höhen und die bunt eingestreuten
Ortschaften mit weitragenden Türmen Ausdruck verliehen.
In der Tat, mag auch das Härtsfeld abgeschieden und
mag es winters noch so unwirtlich sein, heute gab es
in vollleuchtendem Sonnenschein in dem auf Feld und
Flur liegenden warmen Duft des Sommers für den Beschauer
ein unvergesslich schönes Bild. Es war, als ob die Natur
selbst mit den Bewohnern des Härtsfeldes in der lieblichsten
Ausschmückung der von seiner Majestät bereisten Landesteile
hätte wetteifern wollen.
In Elchingen fand kurzer Aufenthalt und Pferdewechsel
statt und nach kurzer Begrüßung in Stetten längere Rast
in Neresheim. Dort hatte die Stadt seiner Majestät einen
Imbiss angeboten, der allergnädigst angenommen wurde.
Die Kapelle des Pionierbataillons konzertierte. Über
Steinweiler und Nattheim ging diese Reise wieder zurück
nach Heidenheim. Der Gesamteindruck der Reise durch
das Härtsfeld war für jedermann der, dass seine Bewohner
trotz des dringenden Heuerntegeschäftes den Bewohnern
des Brenztales in dem einmütigen Bestreben nach allen
Kräften seine Majestät aufs Glänzenste zu empfangen
und aufs Höchste zu ehren, in nichts nachgestanden waren,
In jeder Gemeinde derselbe jubelnde Empfang, überall
alte Häuser in schönem Schmuck, überall die Straßen
mit Bäumen, Fahnen und prächtigen Triumphbogen zu wahren
Triumphstraßen verwandelt und verschönt durch da und
dort provisorisch mit prächtigem Strahl aufschießende
Springbrunnen und die in hellglänzendem hohen Wasserstrahlen
springenden Hydranten, überall patriotische Ansprachen
durch die Ortsgeistlichen,
überall eine offensichtliche ungekünstelte, aus vollem
Herzen hellauflodernde Freude der Bevölkerung.
Andererseits machte aber auch in ergreifender Weise
die nicht müde werdende, um jedes Einzelne sich kümmernde
höchste Leutseligkeit und Güte seiner Majestät auf jedermann
einen unauslöschlichen tiefen Eindruck. Die Freude des
Härtsfeldes über die jetzige Eisenbahn ist nicht geringer
als jene über den Besitz der Wasserleitung, ganz abgesehen
davon, dass die Kosten, welche die Bevölkerung hierfür
zu tragen hat, viel geringer sind."
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Zweckverband im Jahr 1990
Bei der Gründung vor hundert Jahre erstreckte sich das
Verbandsgebiet noch auf die Oberämter Heidenheim, Neresheim,
Aalen und Gmünd. Heute ist dies der Landkreis Heidenheim
und der Ostalbkreis.
Landschaftlich ist der Versorgungsbereich in drei Teile
gegliedert. Die Albhochfläche um Bartholomä, das obere
Brenztal um Königsbronn und das Härtsfeld um Ebnat,
Großkuchen und Neresheim. Die größte Ost-West-Ausdehnung
zwischen dem äußeren Kitzinghof bei Bartholomä und dem
Ort Schweindorf bei Neresheim beträgt in der Luftlinie
36 Kilometer. Die größte Nord- Süd- Entfernung zwischen
der Kapfenburg bei Hülen und der Gemeinde Auernheim
beträgt 16 Kilometer.
Die insgesamt 25.000 Einwohner werden in vier Bereiche
versorgt: Bereich Hohenberg und vorderes Härtsfeld 11.500
Einwohner, Bereich Neresheim und hinteres Härtsfeld
2.500 Einwohner, Bereich Königsbronn 6.500 Einwohner
und Albuch und Zang 4.500 Einwohner (insgesamt 25.000
Einwohner). Der technische Ablauf der Wasserförderung
und Verteilung im Pumpwerk Itzelberg ist wie folgt:
Aus drei Tiefbrunnen zwischen Königsbronn und Itzelberg
mit Tiefen von 90 Metern, 45 Metern und 40 Metern wird
das Rohwasser mit
Tauchpumpen gehoben und in einer Leitung mit 300 Millimeter
Durchmesser ins
Wasserwerk Itzelberg transportiert.
Dort durchläuft es vier Filterkessel, wird gereinigt
und anschließend in der Turbulenzkammer behandelt. Dadurch
bleibt das Trinkwasser auch auf dem Weg zum Verbraucher
keimfrei. Das keimfreie Wasser läuft in den Reinwasserbehälter.
Dieser hat einen Inhalt von 500 cbm. Zur Weiterbeförderung
in die erdüberdeckten Hochbehälter des Verteilungsgebietes
stehen sechs elektrisch angetriebene Kreiselpumpen und
zwei Kolbenpumpen zur Verfügung. Die zwei Kolbenpumpen
werden mit der Wasserkraft der zum Itzelberger See angestauten
Brenz über ein Vorgelege direkt von einer Voith- Francis-
Turbine (68 PS) angetrieben.
Mit den Pumpen werden Förderhöhen bis 220 Meter überwunden.
Die Förderleistung in Itzelberg beträgt ca. 180 Liter
pro Sekunde. Zone I Härtsfeld in Druckleitung Durchmesser
250 Millimeter auf 175 Meter Höhe, Zone II Albuch in
Druckleitung Durchmesser 200 Millimeter auf 220 Meter
Höhe, Zone III Königsbronn in Druckleitung Durchmesser
200 Millimeter auf 67 Meter Höhe. Das Wasser wird in
die insgesamt 420 Kilometer langen Druck- und Fallleitungen
eingespeist, die unter der Erde verlegt sind. Von Itzelberg
aus werden Hochbehälter mit ca. 8.000 cbm Inhalt und
zwei Wassertürme mit zusammen 450 cbm Inhalt gefüllt.
Die tägliche Förderleistung in Itzelberg beträgt im
Durchschnitt ca. 3.450 cbm. Die höchste Tagesförderung
betrug bisher 5.150 cbm.
Zu den Druck- und Fallleitungen des Zweckverbandes kommen
innerhalb der versorgten Gemeinden noch ca. 300 Kilometer
Ortsrohrleitungen. Im Jahr 1977 wurde das Wasserwerk
Neresheim gebaut. Damit verfügt der Verband jetzt über
zwei Pumpstationen. In Notsituationen kann das ganze
Verbandsgebiet einschließlich des oberen Brenztals und
des Albuchs von Neresheim aus mit Wasser versorgt werden
und darüber hinaus besteht ein Notanschluss an die Fernwasserleitung
der LW (Landeswasserversorgung).
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